Lautes Lernen. Geballtes Wissen.

Wissen nicht länger als exklusives Gut zu betrachten sondern mit anderen offen und ehrlich zu teilen, ist erst einmal gar nicht so leicht. Gut, wenn man das trainieren kann.
Sachbearbeiter// 21. November 2019
 

Working out loud (WOL) ist eine Grassroot Bewegung, die immer weitere Kreise zieht: Bei Working out loud geht es einerseits um den offenen Austausch von Informationen über individuelle Projekte. Andererseits geht es um das Knüpfen inhaltlich und menschlich wertvoller Beziehungen.

John Stepper, der 2015 das Konzept als Gegenentwurf zum herkömmlichen Silo-Denken und -Arbeiten entwickelt hat, schreibt dazu: „Wenn du WOL anwendest, schaffen deine Beiträge im Laufe der Zeit Vertrauen und vertiefen ein Gefühl der Verbundenheit, was die Chancen auf Zusammenarbeit und Miteinander erhöht. Du bist effektiver, weil du Zugang zu mehr Menschen, Wissen und Möglichkeiten hast, die dir helfen können. Du fühlst dich auch deshalb besser, weil dir dein größeres Netzwerk bedeutsamer Beziehungen ein größeres Gefühl von Kontrolle, Kompetenz und Verbindungen gibt. All dies führt zu mehr Motivation für den Einzelnen und zu mehr Agilität, Innovation und Zusammenarbeit für ein Unternehmen.“

Working out loud unterstützt MitarbeiterInnen dabei, effektiver, engagierter und kollaborativer zu sein. Im Video erklärt John Stepper seine Methode genauer. Quelle: YouTube

In herkömmlichen Silo-Strukturen bildet sich Expertenwissen heraus, das nicht nur positive Aspekte hat: Was ist wenn der/die ExpertIn ausscheidet oder an Kollaborationen nicht interessiert ist? WOL zielt darauf ab, die Einstellung gegenüber Wissen und den Umgang damit zu ändern und diese Verhaltensänderung durch ein mehrwöchiges Training zur Gewohnheit werden zu lassen.

Weil unterm Strich damit alle gewinnen, wundert es nicht, dass sich zunehmend mehr PersonalentwicklerInnen dafür interessieren.

Frau Schmidt, Frau Daun Sie haben auf dem BIKO einen Workshop zum Thema Working out loud angeboten. WOL ist auch bei der ERGO ein Thema. Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere daran?

Ganz eindeutig das Mindset, die Grundhaltung, unser Wissen mit unseren Kolleginnen und Kollegen zu teilen. Das hört sich selbstverständlich an, ist aber oft nicht der Standard. Wissen zugänglich machen, andere Menschen darin zu unterstützen, mit unserem Wissen zu Experten oder Co-Experten zu werden – zum Beispiel über gemeinsame Verzeichnisse, Teamseiten oder sprechende Namen. Und natürlich bei anderen ebenfalls in dieser Weise Unterstützung zu finden. Dieses Mindset begeistert uns!

Warum kommt dieser Trend gerade jetzt?

Wir haben lange in Wissens-Silos gelebt, gearbeitet und unsere Alleinstellungsmerkmale gepflegt. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass Kollaboration ein wesentlicher Pfeiler von Veränderungen und Erfolgen ist. Neues entsteht nicht in geschlossenen Köpfen, sondern da, wo frischer Wind wehen kann.

Basis des Trainings sind Circles, die sich zwölfmal treffen. In wie weit lassen sich diese thematisch an Unternehmen anpassen und geht es nur mit diesen Circles?

Aus unserer Sicht ist hier viel Spielraum gegeben. Es geht ja nicht darum eine Methode bindend für alle einzuführen, sondern wie schon gesagt um das Mindset. Da muss jedes Unternehmen und jede Organisation den eigenen Weg finden. Kollaboration und Wissen zu teilen, kann auch in anderen Formaten gelebt werden. Wichtig ist doch, dass wir es tun!

Sie selbst sind in mehreren Circles engagiert, deren Mitglieder auf verschiedene Standorte verteilt sind. Face-to-face Treffen sind also gar nicht notwendig?

Ich mag Menschen und den Austausch mit ihnen. Dafür gibt es viele Möglichkeiten. Wenn sich Circles bilden, müssen die Teilnehmer für sich entscheiden, welche Art der Treffen sie wählen wollen. Ich bin vor allem privat Mitglied in Circles, deren Mitglieder bundesweit verteilt sind. Treffen in Präsenz sind da nahezu unmöglich. Online-Meetings und Telefonkonferenzen sind für mich mittlerweile selbstverständliche geworden. Ich habe mich daran gewöhnt und finde sie ebenso intensiv und vertrauensvoll, wie persönliche Treffen. Ich freue mich aber auch, die anderen mal real zu einem Café zu treffen.

Zur Person: Regina Daun und Petra Schmidt sind Referentinnen in der Weiterbildung der ERGO Group, Düsseldorf und Petra Schmidt vor allem selbst begeisterte Teilnehmerin in mehreren Circles zu Themen wie Regionales Fundraising in Service Clubs, Künstliche Intelligenz für den Bereich der Weiterbildung, Podcast & Co.

 

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