Die Ein-Klick-Versicherung

Das Auto fährt allein, Pakete kommen ferngesteuert an, der Kühlschrank spricht mit der Mikrowelle…und was macht die Digitalisierung mit der Versicherungsbranche?


			
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Alles smart? Versicherungen in Bewegung.

Die Menschheit hat schon immer Dinge erfunden, um sich das Leben leichter zu machen: Zuerst das Rad, dann Maschinen und schließlich Computer, die die Maschinen bedienen. Für uns bleibt dadurch immer Zeit zum Denken – und auch das nehmen uns neue Technologien ab. Mehr noch: Smarte Technologien übernehmen nicht nur das Denken, sondern passen auch auf uns auf.

Einkäufe erledigen wir bequem auf dem Sofa. Der Urlaub wird auf dem Smartphone gebucht und bezahlt. Das Auto bringt uns an das gewünschte Ziel – natürlich auf einer optimierten Route. Und unterwegs können wir noch schnell am Teammeeting teilnehmen. Je mehr die Digitalisierung unseren Alltag durchdringt und selbstverständlicher wird, desto höher werden die Ansprüche.

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Quelle: YouTube/ClixChannel

Versicherungsunternehmen stehen vor neuen Herausforderungen: Was ist Gegenstand der Versicherung? Anders ausgedrückt: Wer haftet für die autonomen Maschinen, Geräte und Prozesse? Welche Schadenszenarien müssen bedacht sowie kalkuliert werden?

Zum Anderen: Wie können Versicherungsunternehmen den gewachsenen Ansprüchen gerecht werden? Wie müssen Versicherungsleistungen gestaltet sein?

„Wenn individuelle Fahrfehler des Einzelnen in der Zukunft schrittweise an Bedeutung verlieren, ist die sinkende Bedeutung des Schadenfreiheitsrabatts die logische Konsequenz“, meint etwa Joachim Müller, Vorstandsvorsitzender der Allianz Versicherungs-AG zur zukünftigen Rolle der Kfz-Versicherung. „Die Qualität der verbauten Fahrassistenzsysteme wird künftig das entscheidende Kriterium für Anzahl und Höhe von Verkehrsunfällen sein. Vielleicht sprechen wir deshalb künftig vom Schadenfreiheitsrabatt der Assistenzsysteme.“

Versicherung neu gedacht

Und auch in unseren Smart Homes sind Versicherungen längst präsent. Entsprechende Pakete haben nahezu alle Versicherer jetzt schon im Angebot: Spezielle Hardware-Komponenten, die zum Beispiel vor Feuer, Wasser, Einbruch und Diebstahl warnen und rechtzeitig darauf reagieren.

Und wenn es um unsere Gesundheit geht, empfehlen uns immer mehr und ausgetüfteltere Apps ein individuelles Fitnessprogramm, die richtigen Ernährungskomponenten, überwachen unseren Schlaf und neuerdings auch unseren Herzschlag und erstellen ein EKG. Biosensoren geben ein unmittelbares Feedback über unseren Gesundheitszustand. Und vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis die so gesammelten Daten in die Kalkulation der Krankenversicherung einfließen.

Bei all der schönen neuen Digitalisierung zeigt sich aber, dass Versicherungen von Grund auf so solide gedacht sind, dass sie problemlos mit der Entwicklung Schritt halten können. „Wenn es das deutsche Haftungs- und Versicherungssystem in seiner derzeitigen Form nicht schon gäbe, müsste man es geradezu erfinden“, so Joachim Müller.

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Quelle: YouTube/Trov

Die Herausforderung, die mit der Digitalisierung einhergeht, ist, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten: „Im Mittelpunkt der Digitalisierung stehen immer die Kundenbedürfnisse und nicht die Technologien, egal wie bahnbrechend sie sind. Ihr Einsatz muss stets einen Mehrwert für die Versicherten bringen“, sagt Martin Schmelcher, Vorstand der ADAC Autoversicherung.

Das aber bedeutet, dass nahezu alle Prozesse konsequent aus Kundensicht betrachtet werden (müssen): Produktentwicklung, Vertrieb und Marketing, Underwriting/Neugeschäft, Bestandsverwaltung, Schadenmanagement und Backoffice.

Wie nach dieser Herangehensweise zum Beispiel ein Sachversicherungs-Angebot aussehen könnte, zeigt das australische Start-Up Trov: Ob Laptop, Fahrrad, Digitalkamera oder was auch immer: Wer etwas zu einer bestimmten Zeit versichern möchte, lädt ein Foto davon in seiner Versicherungs-App hoch, gibt den gewünschten Zeitraum des Versicherungsschutzes an. Fertig. Selbst die Schadenabwicklung funktioniert mobil.

Im Hintergrund zu solchen oder ähnlichen Angeboten laufen ausgefeilte Analysetools, die tiefe Einblicke in die Handlungsweisen, Bedürfnisse und Präferenzen der KundInnen geben. Daraus ergeben sich wiederum Konsequenzen für den Produktgeber aber auch für den Vertrieb. Denn dieser gewinnt durch Big Data Erkenntnisse, wann, wie und wo er am besten mit seinen (potenziellen) KundInnen kommuniziert. Und wo früher drei Durchschläge notwendig waren, sind heute in der Blockchain alle relevanten Daten zu einem Geschäftsprozess und seinen Vorgängern enthalten.

Fazit: Es gibt keinen Bereich in der Versicherungswirtschaft, der von der Digitalisierung ausgeschlossen ist. Die Unternehmensberatung Bain & Company schreibt dazu in ihrer Studie Digitalisierung der Versicherungswirtschaft: „Neue Technologien bieten neue Chancen entlang der gesamten Wertschöpfungskette (in der Versicherungswirtschaft) und verändern diese zugleich.“ Durch zunehmende Optimierung werden sich viele Aufgaben im Backoffice verändern, manche auch wegfallen. Gleichzeitig ergeben sich für Sachbearbeiter, Führungskräfte und den Vertrieb neue Chancen.

 

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