Völlig losgelöst

Themen öffnen, ein Ökosystem schaffen, dem Zufall eine Chance geben - signals ist kein weiteres Lab eines Versicherungsunternehmens sondern ein Blick über den Tellerrand. Ein Lokaltermin in Berlin.
Führungskräfte, Sachbearbeiter// 15. November 2019
 
signals Open Studios

Mit signals geht die SIGNAL IDUNA Gruppe einen Weg völlig losgelöst vom Kerngeschäft. Die Idee dabei ist, ein Ökosystem zu kreieren, in dem sich Ideen frei entfalten und voneinander profitieren können: Ein Gründernetzwerk, das mit Versicherung zunächst einmal nichts zu tun haben muss.

„Ich mag das Konzept von Serendipity,“ erklärt Saskia Sefranek, Head of Venture Development bei signals. „Wir lassen dem Zufall eine Chance, indem wir uns für angrenzende Themenfelder bewusst öffnen. Es ist durchaus möglich, dass sich mittel- bis langfristig auch für die Versicherung Anknüpfungspunkte mit Startups im Ökosystem ergeben. Aber es ist nicht zwingend notwendig“ – und lässt dem Gründergeist somit mehr Spielraum.

Gründer, kleine Teams, die noch einen Schreibtisch suchen, sind in den Open Spaces am Nordbahnhof in Berlin als Untermieter herzlich willkommen – unabhängig von dem Thema, an dem sie arbeiten. Denn einerseits sind die signals Open Studios ein Co-working Space, ein Vermieter von Büroflächen an verschiedene Startups und Digitalinitiativen.

Wer einen großen Raum für eine Präsentation, einen Talk oder anderes benötigt, wird hier ebenfalls fündig. Der Community Space für rund 100 Personen wird zudem mit eigenen Veranstaltungen bespielt. „Wenn wir Events zu Themen wie Digital Health oder Mobility machen, laden wir sowohl Startups aus diesen Bereichen, als auch Partner aus unserem Ökosystem dazu ein. Da kann dann auch schon mal die Charité zum Thema Healthcare vorbeischauen.“

Zusammenarbeit mit Startups
Sich Anregungen, Ideen von außen zu holen, wie es die SIGNAL IDUNA Gruppe mit signals praktiziert, scheint in der heimischen Wirtschaft nicht üblich zu sein - wie eine Branchen unabhängige Befragung vom Digitalverband bitkom zeigt. (Größeres Bild) © bitkom

Andererseits beherbergen die signals Open Studios auch signals VC, einen Venture Capital Fonds, der in Erfolg versprechende Startups investiert: in CIRC zum Beispiel, einem E-Scooter-Anbieter oder auch in medbelle, einem digitalen Krankenhaus mit Online-Sprechstunde.

Darüber hinaus hat signals Anfang 2019 ein Pre-Seed Programm aufgelegt: Dieses richtet sich an Startups in einer sehr frühen Phase, die einen ersten Anschub benötigen, um ihren vielleicht noch nicht ganz ausgereiften Business-Plan zu schärfen, ein schlagkräftiges Team aufzustellen oder sich auf das Fundraising vorzubereiten. Das Pre-Seed Programm ist so etwas wie ein Gründerstipendium und garantiert mit der Anschubfinanzierung auch ein festes Einkommen in der Pre-Seed Phase – mit dem Potenzial, dass signals VC anschließend als erster Investor an Bord kommt.

Thematisch bewegt sich das finanzielle Engagement von signals VC in den Bereichen von B2B Enterprise Lösungen. Ein besonderes Interesse liegt aber auch auf Themen wie Digital Health, Mobility und PropertyTech. Entscheidend ist das (innovative) Potenzial der Idee, im Fokus steht primär der Return on Invest. „Damit grenzt sich signals VC bewusst von klassischen Corporate VCs ab, die überlicherweise stark auf eine strategische Ausrichtung achten.“

Investment und Innovationen

Dass der Rückfluss nicht nur finanzieller Art sein muss, zeigt das Beispiel CIRC: signals VC hat bereits in einer sehr frühen Phase in das Berliner Start-up investiert. Zum Marktstart der Elektro-Leihroller in Deutschland wurde nun auch ein versierter und flexibler Versicherungspartner gesucht. Für Versicherungsunternehmen eine Herausforderung, wie CIRC schnell erfahren musste. Denn für das Underwriting gab es keine mathematischen Grundlagen, und einen Pay-as-you-go-Tarif, also Versicherungsschutz auf Basis der gefahrenen Minuten, gab es bis dato für E-Scooter auch noch nicht.

Die SIGNAL IDUNA Gruppe, die sich nach ihrem Selbstverständnis im Business-to-business-Bereich und als Versicherer im deutschen Mittelstand sieht, hat sich der Herausforderung gestellt und diese als Learningcase angenommen: Wie kann man etwas Neuartiges versichern, wenn es dazu keine Datenbasis gibt? Und wie lässt sich ein flexibles Modell tariflich abbilden?

Aus dem Investment heraus wurden Innovationen getriggert: In nur wenigen Wochen war die Police für den Roller-Verleiher unter Dach und Fach. Im Ausland sind die E-Scooter ebenfalls über die SIGNAL IDUNA bzw. einen kooperierenden Partner versichert. Und für die MitarbeiterInnen wird das eigene Produkt direkt erlebbar – auf den E-Scooter-Parkplätzen vor den Niederlassungen in Dortmund und Hamburg.

signals versteht sich als Netzwerk interessanter Menschen und Ideen, als Ökosystem für Innovationen, in dem der Versicherungsgedanke (zunächst) keine Rolle spielt. Fotos: © signals

Der SIGNAL IDUNA Gruppe geht es letztlich so, wie anderen Versicherern auch: Sie wollen mehr und vor allem positiv besetzte Touchpoints für die KundInnen schaffen und die Transformation zum Lösungsanbieter meistern.

Mit der Versicherung09, Sicherheit in Schwarzgelb, sammelt die SIGNAL IDUNA über ein InsurTech schon seit einiger Zeit Erfahrungen im Bereich Haftpflicht- und Hausratversicherung. Das rein digitale Produkt für Fans des Fußball-Erstligisten Borussia Dortmund bietet diverse Kick-backs und wird kontinuierlich optimiert und weiterentwickelt.

Derweil wird in Berlin über signals VC das Ökosystem weiter ausgebaut. 100 Millionen Euro stehen in dem Fonds zur Verfügung. Lohnt sich das Investment? „Das werden wir sehen. Den Return on Invest von Venture Capital gibt es erst beim Exit einer Portfoliofirma. Und den sieht man klassischer Weise nicht vor fünf, sechs Jahren…“

 

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