Veränderung. Lernen. Begleiten.

Selbstgesteuertes, kollaboratives Lernen, Training on the spot statt nach Terminkalender: Geänderte Anforderungen erfordern auch ein neues Denken und Handeln von PersonalentwicklerInnen.
Führungskräfte// 01. August 2019

In vielen Unternehmensbereichen erleben wir massive Umbrüche. Auch die Personalentwickler sind gefragt, ihr Selbstverständnis neu zu definieren: Sie sind nicht mehr Anbieter bzw. Vermittler von Seminaren, sondern vielmehr ein Lernbegleiter in einem von den MitarbeiterInnen selbstgesteuerten und kollaborativen Lernprozess. Einerseits.

Andererseits werden sie selbst zum Innovationstreiber für digitales Lernen: neue Medien werden erprobt und MitarbeiterInnen darin unterstützt, diese Tools konstruktiv zu nutzen.

Flankiert werden die Aktivitäten von neuen Lernformaten, individuellen Workshops, Retrospektiven, Supervisionen, die sich in einem blended learning Prozess wechselseitig ergänzen.

Discover Digital hat mit zwei Experten gesprochen, wie sie die Veränderungen in ihrem Bereich einordnen: Annette Hugger ist Abteilungsleiterin Personal- und Organisationsentwicklung bei den DEVK Versicherungen in Köln; Stephan Stemmer ist Gruppenleiter Vertriebliche Aus- und Weiterbildung, ebenfalls DEVK.

„Wir müssen die Lernkultur aber auch uns selbst weiterentwickeln.“

Frau Hugger, Herr Stemmer, kollaboratives Lernen, informelles Lernen, Lernen on the spot – Ihr Bereich scheint einerseits unübersichtlicher, andererseits individueller geworden zu sein. Worin sehen Sie für Personalentwickler im Moment die größten Herausforderungen?

Die größten Herausforderungen betreffen zwei Bereiche: die Lernkultur in unserem Unternehmen anders zu prägen – Selbstverantwortung ist hier das Schlagwort -, sowie wichtige Skills und den richtigen Mindset in unseren eigenen Reihen weiterzuentwickeln. Wir wollen zu allererst den eigenen Hof gut bestellen und nicht nur andere anleiten, wie sie sich ändern müssen.

„Lernen. Wo und wann Du willst.“

In einem vorhergehenden Expertengespräch haben wir gelernt, dass es jetzt darum geht, die vorhandenen Insellösungen in Unternehmen zusammenzuführen und in einen fortwährenden, individualisierbaren Lernprozess zu integrieren. Ist das nur eine Frage geeigneter Software oder braucht es dazu auch eine andere Lernkultur?

Wir haben in der DEVK mit einem neuen, für alle Mitarbeitenden im Außen- und Innendienst gemeinsamen Lernmanagementsystem die technische Basis für vernetztes, digitales Lernen geschaffen. Unser Claim bei der Einführung war nicht umsonst „Lernen. Wo und wann Du willst.“
Wenn das Thema „Lernkultur“ nur auch so einfach wäre wie die Einführung eines Tools. Wir benötigen eine viel stärkere Eigenverantwortung jedes einzelnen Mitarbeitenden, eine Abkehr von Klassenraum-Trainings, in denen die Teilnehmer mit Wissen betankt werden, hin zur Kompetenzentwicklung im Arbeitskontext. Wir brauchen Führungskräfte, die viel stärker in die Schuhe von Lernbegleitern, Rahmengebern und „Entwicklungsermöglichern“ schlüpfen.

„Unser Ziel ist es, einen Schritt voraus zu sein.“

Einige Unternehmen setzen in der Ausbildung auf eduScrum und vermitteln damit wichtige Zukunftskompetenzen, wie eigeninitiatives Lernen in selbstorganisierten Gruppen. Die so ausgebildeten MitarbeiterInnen werden zukünftig ganz andere Anforderungen an die Personalentwicklung stellen. Setzt Sie das unter Druck?

Im Gegenteil, es spornt uns an. Unser Ziel ist es als Personal- und Organisationsentwickler einen Schritt voraus zu sein. Durch unseren organisatorischen Zuschnitt – die PE/OE für Innendienst und Außendienst, die fachliche und vertriebliche Aus- und Weiterbildung, das digitale Lernen und die Erstausbildung sind unter einem Dach – haben wir hier ungeahnte Möglichkeiten, das Feld zu bespielen. Zugegeben: der Anspruch ist hoch.

„Intelligente Angebote und Tools sind nicht unbedingt eine Frage des Budgets.“

Im Kampf um Talente sind die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten ein mitentscheidender Faktor. Sind kleinere Häuser mit kleineren Budgets und demnach nicht so ausgefeilten Angeboten und Tools im Nachteil?

Wir kennen beide sowohl die große Konzernwelt als auch das Leben in einem Haus wie der DEVK – die Größe des Unternehmens ist unserer Meinung nach nicht entscheidend für die Entwicklungschancen.
Wie groß die Budgets sind, hängt eher von der Situation des jeweiligen Unternehmens ab. Und pfiffige, flexible Angebote und Tools haben ebenfalls nicht unbedingt etwas mit Größe zu tun. Wir schätzen den riesigen Gestaltungsspielraum und die Möglichkeiten, die die DEVK mit ca. 6.000 Mitarbeitenden im Außen- und Innendienst bietet und das Tempo, mit dem wir Themen in die Umsetzung bringen können.

Zur Person: Lernen|Digtal|Begleiten ist der Titel des Werkstattberichts, mit dem Annette Hugger und Stephan Stemmer auf dem diesjährigen Bildungskongress der Versicherungswirtschaft unter anderem der Frage nachgehen: Wie kann in einer Organisation mit Innen- und Außendienstmitarbeitern eine erfolgreiche Learning Journey aussehen? Der Bildungskongress der Deutschen Versicherungswirtschaft findet am 26./27.09.2019 in Berlin statt.

 

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