Homeoffice: Niemand kommt vorbei

Deutschland im Homeoffice – das ist auch ein Stresstest für Menschen und Systeme: „Wichtig ist, physical distancing nicht zur sozialen Isolation werden zu lassen.”
Führungskräfte, Sachbearbeiter// 03. April 2020
Digital und sicher im Homeoffice Discover Digital by BWV

Glück hat, wer dieser Tage von Zuhause aus arbeiten kann und weiterhin Gehalt bezieht. Selbstverständlich ist dies nicht (mehr). Viele Selbstständige und kleine Betriebe kommen bereits an ihre Grenze. Nicht wenige MitarbeiterInnen großer Unternehmen sehen sich mit Kurzarbeit konfrontiert oder stehen gänzlich ohne Einkünfte da. Die Corona-Pandemie rüttelt an vielen Grundfesten und Sicherheiten.

Die Zahl der Unternehmen, die Homeoffice bzw. mobiles Arbeiten ermöglichen, nimmt seit einigen Jahren kontinuierlich zu. Was bislang aber eher eine willkommene Abwechslung war, ist jetzt vielfach zur existenziellen Notwendigkeit geworden.

Die psychischen Belastungen dabei, bedingt durch die isolierte Situation und den fehlenden Kontakt mit KollegInnen, sind immens. Hinzu kommt: Ein separater, ruhiger Arbeitsplatz ist nicht immer vorhanden, häufig muss der Küchentisch dazu herhalten. Nebenher müssen die Kinder beaufsichtigt oder zum selbstständigen Lernen motiviert werden…

Mitunter holprige Verbindungen und der vielfach ungewohnte Umgang mit neuen Tools und Technologien sind weitere Belastungen, Stressoren. Und nicht zuletzt gilt es auch im Homeoffice den Sicherheitsanforderungen des Unternehmens gerecht zu werden.

Regeln fürs Homeoffice Discover Digital by BWV

Auch Arbeitgeber stehen in puncto Homeoffice vor Herausforderungen: Sie müssen sich an die rechtlichen Vorgaben halten und gleichzeitig den laufenden Betrieb sicherstellen. Betriebsvereinbarungen sind erforderlich. Die technischen Systeme laufen auf Hochtouren, mitunter ist die Infrastruktur aber löchrig. Besprechungen und Termine müssen online organisiert werden.

Einige Unternehmen beginnen erst jetzt in der Krise auf Homeoffice umzustellen. Verfügbare Experten, die dabei unterstützen, sind Mangelware. Immerhin leistet das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unbürokratische, schnelle Unterstützung mit dem jüngst auf den Weg gebrachten Förderprogramm für die Einrichtung von Homeoffice Arbeitsplätzen.

Service von Daheim aus

Rund 11.000 MitarbeiterInnen zählt die ERGO Group zurzeit im Homeoffice. Deren Plattformen laufen nach eigenen Angaben stabil, die Servicelevels können gehalten werden. In einer von der Versicherungskammer Bayern (VKB) erst kürzlich in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie durchgeführten Umfrage gaben 90 % der Mitarbeitenden an, dass sie die Möglichkeit haben, mobil zu arbeiten. In normalen Zeiten geschieht dies, je nach Bereich, an einem bis drei Wochentagen, im Vertrieb häufiger. Aktuell wird diese Möglichkeit bei der VKB nahezu vollständig in Anspruch genommen, an jedem Arbeitstag der Woche. (Stand aller Angaben: Ende März 2020)

Diesen Zuwachs spürt auch der Internetknoten DE-CIX in Frankfurt. Mit einem Datendurchsatz von 9,1 Terrabits (Tbit) pro Sekunde wurde dort kürzlich ein neuer Weltrekord aufgestellt. Grund zur Sorge, wie dies vereinzelt berichtet wird, ist dies nach Angabe der DE-CIX aber nicht: Die Systeme verkraften ein Vielfaches davon, mehr als 54 Tbit pro Sekunde um genau zu sein.

Routine als Herausforderung

Homeoffice ist für die Routinierten kein Problem. Sie sind vertraut mit heimischen Videokonferenzen, Cloudworking, GoTo-Meetings, VPN-Tunnel-Lösungen und einem Arbeitsbeginn direkt nach dem Frühstück, ohne Fahrtweg und -zeit.

Doch wer gerade erste, notgedrungene Gehversuche unternimmt, sieht sich mit einer Fülle an Herausforderungen konfrontiert. Die Größte dabei ist aber keineswegs die Technik: Vielmehr gilt es, eine neue tägliche Routine zu entwickeln, die es ermöglicht, das Tagespensum der zu erledigenden Aufgaben zu bewältigen.

In Jogginghose am Schreibtisch oder in die Telefonkonferenz? Warum nicht. Das Homeoffice befreit von den Zwängen des Dresscodes, gibt die Möglichkeit zur Selbstbestimmtheit und leistet dadurch nicht zuletzt der Kreativität Vorschub.

Dennoch: In familiärem Umfeld, insbesondere mit kleinen Kindern, ist die Zeit des konzentrierten Arbeitens häufig zerhackt. Das Acht-Stunden-Pensum verteilt sich auf die 24 Stunden des Tages. Gesund ist das nicht, erst recht nicht auf Dauer.

Quality time mit den KollegInnen

Umso wichtiger ist es, auf sich selbst und das Miteinander zu achten. „Denn“, so Mark Klein, Chief Digital Officer der ERGO Group und Vorstandsvorsitzender der ERGO Digital Ventures, „wir treffen niemanden mehr auf dem Flur, keiner kommt zum Kaffee vorbei, persönliche Gespräche fallen weg. Wir müssen Wege finden, um diesen zwanglosen Austausch wieder zu ermöglichen. Es bietet sich an, eine Art virtuellen Teamlunch oder eine virtuelle Kaffeepause zu institutionalisieren, damit physical distancing nicht zur sozialen Isolation führt. Ich selbst reserviere mir Zeit im Terminkalender, die nicht mit Meetings belegt ist. Ich telefoniere dann mit KollegInnen, um über Dinge zu reden, die abseits des Kerngeschäfts liegen.“

Praxistest mobiles Arbeiten

Viele Unternehmen haben bereits die Chancen der Digitalisierung für sich entdeckt und das Arbeiten unabhängig von Zeit und Raum in aller Konsequenz umgesetzt: Von der Bereitstellung der technischen Infrastruktur, über die entsprechende Ausstattung der MitarbeiterInnen bis hin zur notwendigen Betriebsvereinbarung.

Bedingt durch die aktuelle Krise, werden „Unternehmen und die Gesellschaft in Gänze sich absehbar noch mehr in Richtung Digitalisierung bewegen“, ist Mark Klein überzeugt. „Jetzt haben wir die einmalige Gelegenheit zu sehen, wie sich die Produktivität de-facto verhält. Manche Manager haben noch ein Störgefühl bei dem Thema. Sie können ihre Mitarbeiter nicht sehen und wissen nicht, wie gearbeitet wird. Meine Einschätzung ist aber: Die Produktivität bleibt mindestens gleich, ist wahrscheinlich sogar noch höher. Das Thema mobiles Arbeiten wird dadurch in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen.“

Erst einmal aber gilt es, die aktuellen Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen und vor allem eines zu beherzigen: Bleibt gesund!

 

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