These 5 – Mit wem?

Die klassischen Bildungsanbieter wandeln sich zu Coaches, die den Lernenden individualisierte Lernumgebungen anbieten und ihnen helfen, sich darin zurechtzufinden.
Zukunftsthesen// 16. April 2022

Die neuen Rollen für Lehrende und Bildungsanbieter

Bevor sich die Lernlandschaft so verändert, dass es keine klassischen Bildungsanbieter mehr braucht, werden Bildungsanbieter sich neben die Lernenden stellen, ihnen individualisierte Lernumgebungen anbieten und ihnen helfen, sich darin zurechtzufinden.

Ausgehend von der These, dass der Mensch zukünftig überwiegend selbstverantwortlich sowie jederzeit und überall lernt und die Inhalte kostengünstig global zur Verfügung stehen, wird die Rolle der bisherigen Lernanbieter völlig verändert sein. Es ist in der fernen Zukunft eine Welt denkbar, in der gar keine „Weiterbildungsanbieter“ mehr erforderlich sind, dann nämlich, wenn Lernende über Algorithmen permanent die passenden Lernangebote in ihre „timeline“ eingespielt bekommen (vgl. Münchner Kreis & Bertelsmann Stiftung, 2020, S. 138-139, 146-147, 150-151, 155). In einem gedanklichen Zwischenschritt müssen Anbieter der näheren Zukunft Lernlotsen, Lernförderer und Lernunterstützer sein, die auf künstliche Intelligenz zurückgreifen.

Es ist nicht neu, dass neben dem Erwerb von Wissensstrukturen über formale Qualifikationen, die auch in der Zukunft weiterhin Bedeutung haben werden, kleinteiliges non-formales und informelles Lernen stattfindet. Heute und in Zukunft ist die Schlagzahl höher, der Griff zur Google-Recherche im Verlauf eines Arbeitstags wird immer häufiger. Die Bildungsanbieter können heute auf KI-gestützte adaptive Lernumgebungen* zum Lernverhalten zurückgreifen. Die Daten der Lernenden werden genutzt, um Lernprogramme intelligent zu gestalten (vgl. Meier, 2019, S. 1-21). Ein Beispiel hierfür ist die Sprachlern-App Duolingo.

Gleichzeitig kommt den Lehrenden vermehrt die Rolle von Coaches zu, die zu Lernprozessen befähigen, helfen das richtige Angebot zu finden und Peer-Learner vermitteln. Für Bildungsanbieter ist es zunehmend relevant eigene Plattformen für das gemeinsame Lernen, auch digital, zur Verfügung zu stellen. Es gilt didaktische Konzepte zu entwickeln, welche hochgradig individualisierte Lernerlebnisse ermöglichen und vermehrt auch Zukunftskompetenzen fördern.

*KI-basierte, adaptive Lernumgebungen sind Lernumgebungen, die sich in Echtzeit an die Benutzer und ihren Lernstand anpassen. Dies geschieht auf der Grundlage einer durch Algorithmen gesteuerten Verarbeitung von Daten (Meier, 2019, S. 1)

Unsere Perspektive

Personalentwickler:innen und Bildungsanbieter:innen sollten sich mit den Möglichkeiten der IT im Rahmen der Angebotserstellung auseinandersetzen. In der PE-Abteilung sollten sich Beschäftigte zu einem eigenen Kompetenzprofil „Learning Architects“ oder „Zertifizierter Learning Engineer“ weiterbilden. Neben der technischen Kompetenz kommt der Rolle als Lernbegleiter und Coach eine zentrale Bedeutung zu. Auch hier gilt es, die entsprechenden Kompetenzen bei Bildungsverantwortlichen, Dozent:innen und Trainer:innen weiter auszubauen. Um adaptive Lernprogramme zu entwickeln, werden große Datenmengen von Lernenden benötigt. Ein einzelnes Unternehmen, ein einzelner Anbieter hat in der Regel keinen Zugriff auf eine so große Datenmenge. Hier wäre zu überlegen, ob die Versicherungswirtschaft sich über das BWV und die DVA zusammenschließt, um die Datenmengen gemeinsam zu erheben und daraus sowohl für Unternehmen als auch für die Bildungsanbieter kuratierte Bildungsangebote mit KI-Unterstützung zur Verfügung zu stellen.

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